4. Juni 2026
Kolumne No. 7
15. Februar 2026
Kolumne No. 6
The Fear of Being Perceived
Will ich mir nicht eingestehen, dass ich einen aggressiven Hund habe? Oder weiß ich es besser, weil sie meine Hündin ist und ich sie kenne? Muss ich mir von fremden Leuten, Arbeitskollegen oder Bekannten sagen lassen, dass hier ein Problem vorliegt? Als wäre es mir nicht bewusst, dass sie viel zu oft bellt, dass sie unsicher ist und mich beschützen will. Dass sie denkt, ihr Job wäre es, Verantwortung zu übernehmen, und sie deshalb Fremde verbellen will. Dass ich nicht weiß, wie ich ihr klarmachen kann, dass ihr Job nur darin besteht, süß zu sein?
Doch darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass mich Leute verurteilen. Die überforderte Hundebesitzerin. Für Außenstehende ist es viel zu leicht, zu verurteilen. Als Teenager war es mir völlig egal, was andere über mich denken. Damals war ich so viel cooler. Jetzt tut es einfach nur weh. Es mag die Wahrheit sein, die Fremde hier aussprechen. Ja, meine Hündin wirkt aggressiv, wenn sie bellt. Es ist nicht okay, was sie tut. Und weiter?
Im Dorf würden die Leute tratschen. Wenigstens entgehe ich in der Stadt der Bitterkeit, mit der im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, getratscht wurde. Hier wird man nur schräg angeschaut, angepöbelt oder bekommt einen unfreundlichen Kommentar. Und oft bin ich versucht, mich in einen Streit verwickeln zu lassen. Es scheint wie der perfekte Moment, um dem Frust meines Lebens freien Lauf zu lassen. Einer fremden Person Worte wie Dolche in die Brust zu jagen, weil sie mich schräg von der Seite angequatscht hat, weil sie sich in der Schlange vordrängelt oder auf eine andere Art sozial unangebracht verhält. Manchmal scheitert es an Schlagfertigkeit, meistens weiß ich es auch besser. Es ist besser, seine Wut für sich zu behalten. Diskutieren hat in der heutigen Gesellschaft ohnehin selten einen Sinn.
Ich war gestern mit meiner Schwester auf einem Indie-Konzert. Die Crowd wirkte, als hätte man die Teilnehmer der Kegel-Meisterschaft 1987 eingeladen. Weiße Männer 50+. Einer davon viel zu dicht hinter uns. Auf meine Bitte, Abstand zu halten, hatte er die beste Boomer-Antwort des Jahres: Er habe ja das gleiche Geld bezahlt wie wir. Das gibt ihm dann wohl das Recht, meine kleine Schwester zu belästigen. Aber als gut erzogene Frau fängt man keinen Streit an. Man schweigt oder bringt sich anderweitig in Sicherheit.
Es gibt Situationen, die einen einfach nicht loslassen. Wenn man nachts nicht einschlafen kann, kriechen sie ins Bewusstsein und wollen on repeat durchgespielt werden, immer bis zu dem Punkt, an dem man mit einer schlagfertigen Antwort den Sexismus benennen oder den anderen augenscheinlich zum Schweigen bringen könnte. Ist es, weil einem die Situationen peinlich sind? Oder weil man nicht nach seinen Werten gehandelt hat? Weil man nicht die Person war, für die man sich selbst hält?
Es mag Überforderung sein, vielleicht bin ich auch einfach ein Sensibelchen, das lernen musste, taff zu sein, um in dieser Welt zu bestehen. Vor kurzem hätte ich beim gemeinsamen Lunch mit dem Team fast geweint. Etwas, das ich bei meinen Kollegen noch nie beobachtet habe. Es ging um meine Aussage, dass ich mir Adoption vorstellen könnte und nicht versessen darauf bin, meine Gene weiterzugeben (aufgrund von Vorerkrankungen, die ich nicht im Arbeitskontext offenlegen wollte). Meine Kollegen haben sich daran aufgehängt, dass ich meine Gene nicht für lebenswert halten würde, und nicht aufgehört zu reden, bis ich geschwiegen habe. Schweigen ist so eine mächtige Waffe, vor allem gegen empathische Menschen.
The Fear of Being Perceived spielt hier sicherlich auch mit. Ich arbeite mein Leben lang daran, es abzulegen. Von der Schülerin, die nie im Unterricht gesprochen hat, wurde ich zu der Person, die Aufmerksamkeit und die große Bühne liebt. Es gibt aber immer noch Momente, in denen ich das Gefühl habe, zu groß, zu laut oder im Weg zu sein. Ich hasse es, zu Hause Sport zu machen, wenn mein Mann da ist. Es ist total unlogisch, aber ich fühle mich sogar beobachtet, wenn er im Nebenraum ist. Warum mir das im Gym nichts ausmacht, weiß ich nicht. Es mag daran liegen, dass dort der sozial angebrachte Raum für Sport ist.
Meine Wut ist nicht per se gegen die Boomer, Kollegen und schon gar nicht gegen meinen Mann gerichtet. Es ist Wut auf die Unmöglichkeit der Situationen. Ich kann unmöglich meine gesamte Wahrheit offenlegen. Meinen Unsicherheiten freien Lauf lassen. Ich kann niemanden überzeugen, mich zu sehen. Mich mit meiner gesamten Persönlichkeit wahrzunehmen. Situationen im komplexen Gesamtzusammenhang zu sehen. Und ich muss es auch nicht. Ich muss nur damit leben, nicht von jedem verstanden zu werden. Nicht die People-Pleaserin für die Werners und Dieters der Welt zu sein.
9. Februar 2026
Kolumne No. 5
Sommernachtsträume der falschen Generation
"Falls du noch wach bist, sag mir eins: Können wir nicht für immer sorglos, frei und jung sein?
Nur ist es nicht erlaubt, zu leben, ohne einen Gedanken an die ungewisse Zukunft zu verschwenden.
Dafür wurden wir in der falschen Generation geboren."
- Knochen & Träume / Blog 2012
Ich schätze mein jugendliches Ich sehr hoch. Sie hat die Welt auf eine klarere und ungeschöntere Weise gesehen. Als ich 2012 dieses Gedicht geschrieben habe, war mir wahrscheinlich gar nicht klar, wie recht ich damit hatte. Meine jungen Worte konnten Wahrheiten so klar auf den Punkt bringen, dass es mich heute noch erschreckt. Ich weiß nicht, wann ich das verlernt habe. Oder warum.
Mit fünfzehn war ich Nihilistin durch und durch. Für mich waren Menschen nur Tiere mit Überlebensinstinkt. Arterhaltung als einziger Sinn des Lebens. Mit sechzehn war ich dann eine etwas hoffnungsvollere Realistin. Arterhaltung wurde zum Wunsch, Mutter zu sein. Und heute mit dreißig, ein halbes Leben später?
Was bin ich heute? Ich bin immer noch wütend, in der falschen Generation geboren zu sein. Ich bin wütend, dass ich so viel härter für meine Träume kämpfen muss. Ich bin wütend, dass ich in meiner Kindheit und Jugend ein Versprechen bekommen habe, das all meinen Bemühungen zum Trotz nicht eingehalten wird. Das Versprechen, wenn ich mich nur genügend anstrenge, etwas lerne und die Karriereleiter in einem Büro hochklettere, würde ich es besser haben als meine Eltern. Denn sie hatten es ja auch besser als meine Großeltern, und die hatten es besser als meine Urgroßeltern. Es ist keine Philosophie, nach der ich lebe, sondern einfach Wut auf die Unfairness des Lebens.
Meine Familie hat dabei keine Schuld. Es ist das große Problem meiner Generation. Wir wurden alle mit diesem Versprechen erzogen, und wir wurden somit auch alle betrogen. Alles, was ich will, ist eine schöne Wohnung und die Zeit, meine eigenen Kinder großzuziehen. Nichts davon ist einfach so möglich. Meine Mutter hat meine gesamte Kindheit und Jugend nur einen Tag pro Woche gearbeitet. Ich bin in einem Haus mit großem Garten aufgewachsen. Und meine Eltern waren alles andere als reich.
Ich bin so viel besser aufgestellt, aber Wohnungsmarkt, politische Lage und das grundsätzliche Weltklima scheinen es auf meine Träume abgesehen zu haben. Wir sind zu spät geboren, um im Kapitalismus mitspielen zu können. Zu spät auf der Bühne des Lebens, um mitzuspielen. Der Applaus galt denen vor uns. Das ist der wahre Late-Stage Capitalism.
Aber meine Wut ist so wenig zielführend. Es muss einen besseren Weg geben, mit den Gegebenheiten umzugehen. Wenn man unglücklich ist, gibt es in der Regel nur drei Möglichkeiten:
- Man verändert die Situation
- Man verändert sich selbst
- Man lernt, die Situation zu akzeptieren
Um etwas an der Situation zu verändern, müsste man stark politisch aktiv werden. Das ist nichts für mich. Um mich selbst zu verändern, müsste ich entweder meine Ansprüche an mein Leben zurückschrauben oder meinen Kinderwunsch töten. In beiden Fällen kann ich die Depression schon anklopfen hören. Es bleibt also nur die Akzeptanz. Ich muss akzeptieren, dass nichts davon einfach wird. Ich muss bereit sein, das gebrochene Versprechen zu vergeben und damit beginnen, mich an eine Alternative zu gewöhnen.
Wie kann man etwas akzeptieren, das sich so unfair anfühlt? Man muss kreativ werden, die Schönheit in den kleinen Momenten finden und die Schwierigkeiten romantisieren. War es nicht immer langweilig, wenn man bei den Sims zu oft „motherlode“ eingegeben hatte? Sie hatten die tollste Wohnung, aber das Spielen selbst war eintönig, ohne Herausforderung. Waren wir nicht alle am glücklichsten, als wir frisch in die erste eigene Wohnung eingezogen sind und unter der alten Stehlampe auf dem Teppich Pizza gegessen haben? Die Unfairness des Lebens kann so romantisch sein, wenn man nur will.
Es geht nicht darum, in einer Illusion zu leben. Ich habe hohe Ansprüche an mich und mein Leben, und es gibt vieles, das ich nicht bereit bin zu opfern. Ich werde nicht aufs Land ziehen, ich werde nicht in einer hässlichen Wohnung wohnen, ich werde nicht auf Kinder verzichten. Mir ist bewusst, dass es hart wird. Keiner hat gesagt, dass es einfach wird. Aber das Leben, das ich mir ausmale, ist eines, für das es sich zu kämpfen lohnt.
Manifestieren war schon immer mein Ding. Noch bevor ich das Wort dafür kannte, habe ich mir mein Leben ausgemalt. Als ich achtzehn war, habe ich mir vorgestellt, dass ich in meinen Zwanzigern in einer Großstadt leben würde, in coolen Klamotten ins Büro kommen würde und mit einem kleinen schwarzen Koffer auf Geschäftsreisen gehen würde. Ich habe mir meine Wohnung ausgemalt, meinen Partner und meine Freizeit. Es ist nicht genauso gekommen wie gedacht: Die Wohnung sieht anders aus, aber besser. Die Geschäftsreisen sind deutlich weniger glamourös. Und doch bin ich hier. Die Worte, die mich seit fünfzehn Jahren begleiten, werden mich nie verlassen: Es wird alles gut. Es wird immer alles gut (denn es ist noch nie nicht gut geworden).
Heute stelle ich mir vor, wie ich in der Wohnung unter unserer lebe, Dinnerpartys veranstalte, während mein Mann unsere Teenager-Kinder zu Sleepovers bringt. Ich bin in dieser Vorstellung eine erfolgreiche Autorin, die an ihrem nächsten Bestseller arbeitet. Ich erzähle meinen Freunden davon, wenn wir am großen Tisch auf dem selbst renovierten Balkon sitzen, über uns der Sternenhimmel einer lauen Sommernacht. Unterdessen werden meine Kinder ihre Freunde in der Nacht anstupsen und fragen: Falls du noch wach bist, sag mir eins: Können wir nicht für immer sorglos, frei und jung sein?
26. Januar 2026
Kolumne No. 4
Die Kunst, im Moment zu leben
18. Januar 2026
Kolumne No. 3
Du bist nicht deine Job-Beschreibung. Du bist mehr.
Cafés, die 2026 noch Aufpreis für Hafermilch verlangen, sind unsympathisch. Ist das der tiefgründigste Gedanke, den ich diese Woche hatte? Absolut. Bestand meine Woche aus Kaffee, einem Bildschirm ohne Blaulichtfilter und meiner Jogginghose? Erwischt. Habe ich alle meine guten Vorsätze über Bord geworfen, weil in meinem Non-Sense Marketing-Job bis Ende der Woche eine Präsentation von mir verlangt hat? Schuldig.
Warum passiert mich das immer wieder? Wie kann es sein, dass eine gesamte Woche für mein Arbeits-Ich drauf gehen kann? Neben Arbeiten habe ich diese Woche die Serie Severance nach Feierabend gesehen. Eine Serie über einen sinnlosen Bürojob im weitesten Sinne. Der Satz, der mir besonders gut gefällt: The work is mysterious and important. Ich weiß, dass mein Job nicht wichtig ist. Er ist das Gegenteil. Und dennoch falle ich auf die immer gleiche Falle immer wieder herein.
Wie schaffe ich es, meinen Selbstwert von meinem Wert für einen gesichtslosen Großkonzern zu trennen? Es tut einfach gut, wenn man etwas gut kann. Und ich kann meinen Job gut. Ich bin eigentlich maßlos überqualifiziert. Aber die Bezahlung passt und in 8 von 10 Wochen habe ich eine gute Work-Life-Balance. Wir sind ein kleines Team und lange Zeit habe ich Freundschaften und Arbeit strikt getrennt. Das hat sich seit ein paar Monaten geändert. Jetzt ist es mir nicht mehr egal, wenn meine Kollegen gestresst sind. Jetzt will ich arbeiten, um sie zu entlasten. Und zugleich ist ein Opiumkrieg der Komplimente auf mich eingebrochen. Ich bin süchtig nach der Anerkennung, die an jeder Ecke auf mich wartet, weil - wie gesagt - ich bin maßlos überqualifiziert. Verfallt nicht der Illusion, da würde eine Beförderung auf mich warten. Oder eine echte Anerkennung im Sinne von monetärer Anerkennung. Und so haben sie mich abhängig gemacht von den Brotkrumen an Lob, die sie mir hinwerfen. Fuck, bin ich frustriert.
Ich will diesen Job ja nicht einmal. Ich will diese Karriere nicht. Ich will ein Privatleben. Ich will Autorin sein. Eines Tages will ich Mutter sein. Ich will mich über die Dinge definieren, die ich liebe, nicht die, mit denen ich die meiste Zeit verbringe. Letzten Samstag war einer der schönsten Tage seit langem. Ich war auf dem Flohmarkt mit meiner Schwester und mit meinem besten Freund im Museum. Zwei Verabredungen an einem Tag. Und das Museum hat so gut getan. Es ist seltsam, wie anstrengend und zugleich inspirierend Ausstellungen sein können. Es ist, als würde man daraus eine andere Art Kraft schöpfen. Nur, dass ich von dieser Kraft nichts mehr übrig habe, sobald es Montag 9 Uhr schlägt.
Es ist, als wäre ich zwei Persönlichkeiten. Meine Arbeitsperson, meine "Innie", die alles dafür tut, dass man sie für klug, fleißig und zuverlässig hält und meine "Outie", die Freiheit und Kreativität über alles stellt. Anders als in Severance kennen sich meine beiden Persönlichkeiten allerdings. Und meine Outie verachtet meine Innie zutiefst. Und meine Innie bewundert meine Outie. Das klingt so ungesund!
Es muss aufhören, dass ich die beiden Personas so strikt trenne. Ich muss aufhören aus meinem Job ein Game of Thrones zu machen, das ich nicht gewinnen kann. Weil ein Teil von mir nicht einmal spielen will, geschweige denn gewinnen. Ich muss meine Strategie ändern. Ich muss Grenzen setzen, das Minimalprinzip fahren, mich von extra Projekten fern halten, am besten einfach so wenig sagen, wie möglich. Ich muss Leute dazu bringen, mich nicht mehr zu mögen - die Königsdisziplin einer ehemaligen People-Pleaserin. Wenn ich zum ungeliebten Underdog werde, lassen sie mich dann in Ruhe?
Oder muss ich erstmal einen Entzug machen, von der Sucht nach Anerkennung? Was wäre, wenn ich mit den Aufstiegschancen, den Boni und dem Lob gedanklich abschließe? Die Jagd beende. Wenn ich den Tür "Karriere" schließe. Für immer. Ohne den Spalt offen zu halten, ohne etwas warm halten zu wollen, was mir ständig überkocht. Das würde ich nach Freiheit anfühlen. Nicht wie Versagen. Nur da ist dieses kleine, schwarze, pelzige Angstbällchen in meinem Bauch. Oder ist es Gier? Es schreit auf jeden Fall nach (finanzieller) Sicherheit.
Arbeiten, um zu leben, nicht leben, um zu arbeiten. Ich darf nicht zulassen, dass die Angst gewinnt. Es braucht nicht viel, um sie zu zerschlagen: Freunde, Liebe, Hobbys. Es sind alltägliche Augenblicke, wie der spontane Kinobesuch mit einer Freundin, der kurze Moment des gemeinsamen Kuschelns mit dem Hund, der mitgebrachte Coffee-To-Go bei dem die Hafermilch nicht extra kostet, die die Angst in Zaum halten. Auf das nächste Woche wieder eine "Outie"-Woche wird!
11. Januar 2026
Kolumne No. 2
Sein statt werden
Was zudem in all diesen Videos niemals besprochen wird, ist der Fokus auf echte Beziehungen, Freundschaften, Bekanntschaften. Oft geht es nur um einen Fokus auf sich selbst. Erst, wenn man sich selbst fertig optimiert hat, darf man in die Gesellschaft als würdiges Wesen eintreten. Das ist überspitzt dargestellt, ich weiß. Im Kern geht es aber doch genau darum. Du musst darauf warten, bis du es verdient hast glücklich zu sein. Ich persönlich bin am glücklichsten, wenn ich nicht einmal die Zeit habe, mir Gedanken um mein Aussehen, meine Außenwahrnehmung und meine Essgewohnheiten zu machen. Ich bin am glücklichsten, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die ich mag.
Diese Woche war eine richtig schöne Woche, weil ich mehr Tage hatte, an denen ich Freunde getroffen habe, als Abende allein vor einem technischen Gerät. Meine Schwester ist in meine Stadt gezogen, ich hatte Freunde zum Essen da, ich war im Museum und hatte eine fantastische Date Night mit meinem Mann. Mit meiner Hündin Mia bin ich in diverse Schneeabenteuer geraten - inklusive eines Schneesturms in der Mittagspause (Bild anbei).
Einer meiner Vorsätze ist, mindestens ein soziales Event pro Woche zu haben. Das klingt tief gestapelt, aber ich weiß, dass ich vor allem im November / Dezember letzten Jahres durchaus Wochen hatte, in denen meine Leben aus Arbeit und Couch bestand. Viele meine Freundinnen wohnen nicht in meiner Stadt, weshalb wir zu gemeinsamen Wochenend-Trips übergegangen sind - sehr zu empfehlen. Meine Freundinnen kannten sich bis zu meinem Junggesellinnenabschied nicht einmal. Da wir uns alle aber richtig gut verstanden haben, wollen wir dieses Jahr nochmal ein Wochenende gemeinsam verbringen. Das sind die Momente, die mich glücklich machen. Und dadurch ist das auch einer der Vorsätze, der mir am leichtesten fällt.
Mit all meinen Vorsätzen gehe ich sorgsam um. Wie letzte Woche angekündigt, habe ich insgesamt in acht Kategorien Vorsätze. Man kann sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren. Und selbst, wenn man sich nur auf eins konzentriert, ist es wichtig, dass man liebevoll mit sich selbst umgeht. Das weiß ich, weil ich damit meistens zu kämpfen habe. In der ersten Januarwoche war ich gar nicht beim Sport, diese Woche habe ich trotz Krankheit zweimal Sport gemacht. Das ist ein Anfang. War das Ziel höher? Natürlich. Ist zwei mehr als null. Auch das ist wahr. Ich verfolge eine Youtuberin, die ein Messi-Problem hat (Hoarder's Heart). Sie sagt immer, sie macht alles in Baby-Steps. Und genau diesen Ansatz verwende ich auch für meine Vorsätze. Es geht nicht darum, sein Leben in einer Woche umzukrempeln, sondern das Leben im Prozess zu ertragen, vielleicht irgendwann sogar zu genießen. Auf jeden noch so kleinen Erfolg stolz zu sein.
Meine aktuelle Strategie ist, alle Vorsätze gleichzeitig zu bearbeiten, aber mich auf gewisse Aspekte zu fokussieren. Mein Ziel für meinen Job ist beispielsweise weniger Workaholic und mehr Unterdog zu werden. Ich habe damit angefangen, nur vormittags ins Büro zu gehen und nachmittags im Home Office zu arbeiten. Zudem versuche ich in Meetings meinem Mund zu halten (gelingt mir noch nicht ganz).
Mein liebster Vorsatz im Moment ist mich selbst weiterzubilden. Ich fange damit an, alle ungelesen Bücher in meiner Wohnung zu lesen. 40 Seiten pro Tag. Das klappt erstaunlich gut. Ich habe mir dafür eine Tabelle erstellt, mit genauen Lesezielen pro Buch. Dabei will ich vier Bücher parallel lesen. Ein fiktionales Spaß-Buch zur generellen Motivation, einen Klassiker für die Schreibskills, ein Sachbuch, weil AI das, was wir wissen, verwischt und ein Lyrik-Buch für die Gefühle.
Jeder Vorsatz, der mir am schwer fällt, hat mit dem Aufbau von Routinen zu tun. Was, jetzt, wo ich es aufschreibe, sehr logisch klingt. Routinen bauen sich nicht innerhalb einer Woche auf. Sie brauchen ewig und sind aber innerhalb einer Woche komplett zerstörbar. Regelmäßiges Schreiben, Sport, Morgen- und Abendroutine machen mein Leben so viel besser und dennoch muss ich bei allem so viel Willenskraft aufwenden. Es heißt, es braucht 60 Tage um eine Routine in eine Gewohnheit zu verwandeln. Ich kann im März ja mal ein Update geben, ob das klappt.
Natürlich ist diese Kolumne auch ein Vorsatz. Sie soll mir helfen, mich an meine Vorsätze zu halten, in dem ich mich hiermit verpflichte. Das bedeutet, ihr hört von mir jetzt wöchentlich.
(Ich hab's getan, ich hab mich dazu verpflichtet, wöchentlich zu schreiben!)


