26. Januar 2026
Kolumne No. 4
18. Januar 2026
Kolumne No. 3
Du bist nicht deine Job-Beschreibung. Du bist mehr.
Cafés, die 2026 noch Aufpreis für Hafermilch verlangen, sind unsympathisch. Ist das der tiefgründigste Gedanke, den ich diese Woche hatte? Absolut. Bestand meine Woche aus Kaffee, einem Bildschirm ohne Blaulichtfilter und meiner Jogginghose? Erwischt. Habe ich alle meine guten Vorsätze über Bord geworfen, weil in meinem Non-Sense Marketing-Job bis Ende der Woche eine Präsentation von mir verlangt hat? Schuldig.
Warum passiert mich das immer wieder? Wie kann es sein, dass eine gesamte Woche für mein Arbeits-Ich drauf gehen kann? Neben Arbeiten habe ich diese Woche die Serie Severance nach Feierabend gesehen. Eine Serie über einen sinnlosen Bürojob im weitesten Sinne. Der Satz, der mir besonders gut gefällt: The work is mysterious and important. Ich weiß, dass mein Job nicht wichtig ist. Er ist das Gegenteil. Und denoch falle ich auf die immer gleiche Falle immer wieder herein.
Wie schaffe ich es, meinen Selbstwert von meinem Wert für einen gesichtlosen Großkonzern zu trennen? Es tut einfach gut, wenn man etwas gut kann. Und ich kann meinen Job gut. Ich bin eigentlich maßlos überqualifiziert. Aber die Bezahlung passt und in 8 von 10 Wochen habe ich eine gute Work-Life-Balance. Wir sind ein kleines Team und lange Zeit habe ich Freundschaften und Arbeit strikt getrennt. Das hat sich seit ein paar Monaten geändert. Jetzt ist es mir nicht mehr egal, wenn meine Kollegen gestresst sind. Jetzt will ich arbeiten, um sie zu entlasten. Und zugleich ist ein Opiumkrieg der Komplimente auf mich eingebrochen. Ich bin süchtig nach der Anerkennung, die an jeder Ecke auf mich wartet, weil - wie gesagt - ich bin maßlos überqualifiziert. Verfallt nicht der Illusion, da würde eine Beförderung auf mich warten. Oder eine echte Anerkennung im Sinne von monetärer Anerkennung. Und so haben sie mich abhängig gemacht von den Brotkrumen an Lob, die sie mir hinwerfen. Fuck, bin ich frustiert von diesem Bullshit-Job.
Ich will diesen Job ja nicht einmal. Ich will diese Karriere nicht. Ich will ein Privatleben. Ich will Autorin sein. Eines Tages will ich Mutter sein. Ich will mich über die Dinge definieren, die ich liebe, nicht die, mit denen ich die meiste Zeit verbringe. Letzten Samstag war einer der schönsten Tage seit langem. Ich war auf dem Flohmarkt mit meiner Schwester und mit meinem besten Freund im Museum. Zwei Verabredungen an einem Tag. Und das Museum hat so gut getan. Es ist seltsam, wie anstrengend und zugleich inspirierend Austellungen sein können. Es ist als würde man daraus eine andere Art Kraft schöpfen. Nur, dass ich von dieser Kraft nichts mehr übrig habe, sobald es Montag 9 Uhr schlägt.
Es ist, als wäre ich zwei Persönlichkeiten. Meine Arbeitsperon, meine "Innie", die alles dafür tut, dass man sie für klug, fleißig und zuverlässig hält und meine "Outie", die Freiheit und Kreativität über alles stellt. Anders als in Severance kennen sich meine beiden Persönlichkeiten allerdings. Und meine Outie verachtet meine Innie zutiefst. Und meine Innie bewundert meine Outie. Das klingt so ungesund!
Es muss aufhören, dass ich die beiden Personas so strikt trenne. Ich muss aufhören aus meinem Job ein Game of Thrones zu machen, das ich nicht gewinnen kann. Weil ein Teil von mir nicht einmal spielen will, geschweige denn gewinnen. Ich muss meine Strategie ändern. Ich muss Grenzen setzen, das Minimalprinzip fahren, mich von extra Projekten fern halten, am besten einfach so wenig sagen, wie möglich. Ich muss Leute dazu bringen, mich nicht mehr zu mögen - die Königsdisziplin einer ehemaligen People-Pleaserin. Wenn ich zum ungeliebten Underdog werde, lassen sie mich dann in Ruhe?
Oder muss ich erstmal einen Entzug machen, von der Sucht nach Anerkennung? Was wäre, wenn ich mit den Aufstiegschancen, den Boni und dem Lob gedanklich abschließe? Die Jagd beende. Wenn ich den Tür "Karriere" schließe. Für immer. Ohne den Spalt offen zu halten, ohne etwas warm halten zu wollen, was mir ständig überkocht. Das würde ich nach Freiheit anfühlen. Nicht wie Versagen. Nur da ist dieses kleine, schwarze, pelzige Angstbällchen in meinem Bauch. Oder ist es Gier? Es schreit auf jeden Fall nach (finanzieller) Sicherheit.
Arbeiten, um zu leben, nicht leben, um zu arbeiten. Ich darf nicht zulassen, dass die Angst gewinnt. Es braucht nicht viel, um sie zu zerschlagen: Freunde, Liebe, Hobbys. Es sind alltägliche Augenblicke wie, der spontane Kinobesuch mit einer Freundin, der kurze Moment des gemeinsamen Kuschelns mit dem Hund, der mitgebrachte Coffee-To-Go bei dem die Hafermilch nicht extra kostet, die die Angst in Zaum halten. Auf das nächste Woche wieder eine "Outie"-Woche wird!
11. Januar 2026
Kolumne No. 2
Sein statt werden
Was zudem in all diesen Videos niemals besprochen wird, ist der Fokus auf echte Beziehungen, Freundschaften, Bekanntschaften. Oft geht es nur um einen Fokus auf sich selbst. Erst, wenn man sich selbst fertig optimiert hat, darf man in die Gesellschaft als würdiges Wesen eintreten. Das ist überspitzt dargestellt, ich weiß. Im Kern geht es aber doch genau darum. Du musst darauf warten, bis du es verdient hast glücklich zu sein. Ich persönlich bin am glücklichsten, wenn ich nicht einmal die Zeit habe, mir Gedanken um mein Aussehen, meine Außenwahrnehmung und meine Essgewohnheiten zu machen. Ich bin am glücklichsten, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die ich mag.
Diese Woche war eine richtig schöne Woche, weil ich mehr Tage hatte, an denen ich Freunde getroffen habe, als Abende allein vor einem technischen Gerät. Meine Schwester ist in meine Stadt gezogen, ich hatte Freunde zum Essen da, ich war im Museum und hatte eine fantastische Date Night mit meinem Mann. Mit meiner Hündin Mia bin ich in diverse Schneeabenteuer geraten - inklusive eines Schneesturms in der Mittagspause (Bild anbei).
Einer meiner Vorsätze ist, mindestens ein soziales Event pro Woche zu haben. Das klingt tief gestapelt, aber ich weiß, dass ich vor allem im November / Dezember letzten Jahres durchaus Wochen hatte, in denen meine Leben aus Arbeit und Couch bestand. Viele meine Freundinnen wohnen nicht in meiner Stadt, weshalb wir zu gemeinsamen Wochenend-Trips übergegangen sind - sehr zu empfehlen. Meine Freundinnen kannten sich bis zu meinem Jungesellinnenabschied nicht einmal. Da wir uns alle aber richtig gut verstanden haben, wollen wir dieses Jahr nochmal ein Wochenende gemeinsam verbringen. Das sind die Momente, die mich glücklich machen. Und dadurch ist das auch einer der Vorsätze, der mir am leichtesten fällt.
Mit all meinen Vorsätzen gehe ich sorgsam um. Wie letzte Woche angekündigt, habe ich insgeamt in acht Kategorien Vorsätze. Man kann sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren. Und selbst, wenn man sich nur auf eins konzentriert, ist es wichtig, dass man liebevoll mit sich selbst umgeht. Das weiß ich, weil ich damit meistens zu kämpfen habe. In der ersten Januarwoche war ich gar nicht beim Sport, diese Woche habe ich trotz Krankheit 2 mal Sport gemacht. Das ist ein Anfang. War das Ziel höher? Natürlich. Ist 2 mehr als 0. Auch das ist wahr. Ich verfolge eine Youtuberin, die ein Messi-Problem hat (Hoarder's Heart). Sie sagt immer, sie macht alles in Baby-Steps. Und genau diesen Ansatz verwende ich auch für meine Vorsätze. Es geht nicht darum, sein Leben in einer Woche umzukrempeln, sondern das Leben im Prozess zu ertragen, vielleicht irgendwann sogar zu genießen. Auf jeden noch so kleinen Erfolg stolz zu sein.
Meine aktuelle Strategie ist, alle Vorsätze gleichzeitig zu bearbeiten, aber mich auf gewisse Aspekte zu fokussieren. Mein Ziel für meinen Job ist beispielsweise weniger Workaholic und mehr Unterdog zu werden. Ich habe damit angefangen, nur vormittags ins Büro zu gehen und nachmittags im Home Office zu arbeiten. Zudem versuche ich in Meetings meinem Mund zu halten (gelingt mir noch nicht ganz).
Mein liebster Vorsatz im Moment ist mich selbst weiterzubilden. Ich fange damit an, alle ungelesen Bücher in meiner Wohnung zu lesen. 40 Seiten pro Tag. Das klappt erstaunlich gut. Ich habe mir dafür eine Tabelle erstellt, mit genauen Lesezielen pro Buch. Dabei will ich vier Bücher parallel lesen. Ein fiktionales Spaß-Buch zur generellen Motivation, einen Klassiker für die Schreibskills, ein Sachbuch, weil AI das, was wir wissen, verwischt und ein Lyrik-Buch für die Gefühle.
Jeder Vorsatz, der mir am schwer fällt, hat mit dem Aufbau von Routinen zu tun. Was, jetzt, wo ich es aufschreibe, sehr logisch klingt. Routinen bauen sich nicht innerhalb einer Woche auf. Sie brauchen ewig und sind aber innerhalb einer Woche komplett zerstörbar. Regelmäßiges Schreiben, Sport, Morgen- und Abendroutine machen mein Leben so viel besser und dennoch muss ich bei allem so viel Willenskraft aufwenden. Es heißt, es braucht 60 Tage um eine Routine in eine Gewohnheit zu verwandeln. Ich kann im März ja mal ein Update geben, ob das klappt.
Natürlich ist diese Kolumne auch ein Vorsatz. Sie soll mir helfen, mich an meine Vorsätze zu halten, in dem ich mich hiermit verpflichte. Das bedeutet, ihr hört von mir jetzt wöchentlich.
(Ich hab's getan, ich hab mich dazu verpflichtet, wöchentlich zu schreiben!)


