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26. Januar 2026

Kolumne No. 4


Die Kunst, im Moment zu leben

Du kannst nicht zugleich Regisseur und Protagonist deines Lebens sein. Wenn du auf einem Konzert filmst, macht du dich selbst zur Crew, statt zum Ensemble. Und wofür? Damit deine Erinnerung nie verblasst?

Ich kann verstehen, dass das Verlangen groß ist, die eigenen Erlebnisse dokumentieren zu wollen, sie mit Personen teilen zu wollen, die nicht daran teilgenommen haben. Von einem Konzert nach Hause zu kommen und dem Partner einen Einblick zu geben, was man gerade gemacht hat. Oder sich selbst in den nächsten Jahren, die Erinnerung zurückzuholen. Aber ist es den Preis wert, den Moment aus der Perspektive einer Filmcrew zu erleben, statt aktiv daran teilzunehmen? 

Ich war gestern auf einem Konzert und es war großartig! Die Momente, die mich berührt haben, habe ich in mein Herz geschlossen - besser als meine Handykamera das je könnte. Ich erinnere mich an jedes Konzert, auf dem ich in den letzten Jahren war. Vielleicht verschwommener und verklärter, aber es ist alles da, was ich brauche. 

Gestern kam ich nicht umhin in die Kameras vor mir zu blicken und mich zu fragen, wofür? Ist es aus Gewohnheit, Überforderung oder Komformität? Oder ertragen wir es nicht, uns unserer eigenen Vergänglichkeit zu stellen? Zückt man das Handy, wenn die Angst, dass wir alle sterben und unsere Erinnerungen mit uns, überwiegt? 

Wie gern hätte ich einen Film meines Lebens, den ich einfach on repeat durchlaufen lassen kann, wenn ich melancholisch oder nostalgisch bin. Mit der passenden Filmmusik, einer guten Story und vor allem einem Vibe. Ich widerstehe der Versuchung dennoch, auf Konzerten mitzufilmen, mein Essen im Restaurant zu fotografieren oder Selfies vor dem Rheinturm zu machen. Zumindest meistens (siehe Foto). 

Es ist pure Ironie, wie unsere Gesellschaft mit Performances umgeht. Auf der einen Seite versucht sich jeder ständig selbst zu inszenieren und die eigene Persönlichkeit zur Marke zu machen, auf der anderen Seite scheint sich keiner mehr für die Performance der anderen zu interessieren. Als hätten wir verlernt, was Performance-Kunst eigentlich ist. 

Die große Frage ist: Wird Performance-Kunst zerstört, wenn man sie dokumentiert? Wird ein Moment zerstört, wenn man versucht, ihn einzufangen? Oder brauchen wir einen Anker, für den Vibe unseres Lebens? Werden wir so selbst zur Performance? Kunst in kleinen Filmschnipseln, die uns sagen: Das liebe ich und ich bin, was ich liebe. 

Kunst ist für mich etwas, das ich fühlen kann. Sie muss mich berühren. Das Erschaffene braucht eine Seele. Bilder, Musik, Texte ja sogar Gerichte können technisch noch so gut sein, wenn sie mich nichts fühlen lassen, ist es keine Kunst für mich. Ein sehr subjektiver Kunstbegriff. Ich weiß. Ist der Videoschnipsel des Konzerts dieser Definition nach Kunst, wenn das Gefilmte Gefühle in mir auslöst? 
Oder ist es nur ein blasser Schimmer der eigentlich Kunst? Der Performance selbst. 

Es scheint mir leichter zu fallen, als meinen Freunden, in den schönen Momenten auf das Smartphone zu verzichten. Denn ich habe noch ein anderes Medium, um mein Leben einzufangen und festzuhalten. Ich schreibe. Ich bin jeder Ader meines Seins Autorin. Mir steht die komplette Welt der Worte offen, um meine Erinnerung an das Konzert festzuhalten. Wo liegt hier der Unterschied zum Fotografieren und Filmen? Ich kann den Moment genießen, ihn in mich aufsaugen und ihn dann nachträglich - zeitverzögert - dokumentieren, romantisieren und in das Narrativ meines Lebens einweben.  

Schreiben ist für mich mehr als das. Es ist mein bester Weg zur Reflektion. Wenn ich nach einem Reim für ein Gedicht suche, ist es als würden sich mit jedem Wort meine Gedanken sortieren und am Ende zu einem Entschluss führen. Ich kann mit den großen Einschnitten in meinem Leben abschließen, wenn ich sie Charakteren in meinem Roman durchleben lasse. Wie man an dieser Kolumne unschwer erkennen kann, kann ich nur über Dinge schreiben, die ich erlebt habe. Ich kann gar nicht anders, als zu schreiben. 

Meine Erinnungen sind somit ordentlich verräumt in meinen Geschichten und Gedichten. Ich mache mich nicht zur Regisseurin meines Lebens, sondern zur Autorin. Es ist nicht besser oder schlechter - nur anders. Wie wir alle liefere ich eine erstklassige Show ab. Nur meine Performance findet nicht auf einem bewegten Bildschirm statt, sondern zwischen den Zeilen. 

18. Januar 2026

Kolumne No. 3

Du bist nicht deine Job-Beschreibung. Du bist mehr. 

Cafés, die 2026 noch Aufpreis für Hafermilch verlangen, sind unsympathisch. Ist das der tiefgründigste Gedanke, den ich diese Woche hatte? Absolut. Bestand meine Woche aus Kaffee, einem Bildschirm ohne Blaulichtfilter und meiner Jogginghose? Erwischt. Habe ich alle meine guten Vorsätze über Bord geworfen, weil in meinem Non-Sense Marketing-Job bis Ende der Woche eine Präsentation von mir verlangt hat? Schuldig. 

Warum passiert mich das immer wieder? Wie kann es sein, dass eine gesamte Woche für mein Arbeits-Ich drauf gehen kann? Neben Arbeiten habe ich diese Woche die Serie Severance nach Feierabend gesehen. Eine Serie über einen sinnlosen Bürojob im weitesten Sinne. Der Satz, der mir besonders gut gefällt: The work is mysterious and important. Ich weiß, dass mein Job nicht wichtig ist. Er ist das Gegenteil. Und denoch falle ich auf die immer gleiche Falle immer wieder herein. 

Wie schaffe ich es, meinen Selbstwert von meinem Wert für einen gesichtlosen Großkonzern zu trennen? Es tut einfach gut, wenn man etwas gut kann. Und ich kann meinen Job gut. Ich bin eigentlich maßlos überqualifiziert. Aber die Bezahlung passt und in 8 von 10 Wochen habe ich eine gute Work-Life-Balance.  Wir sind ein kleines Team und lange Zeit habe ich Freundschaften und Arbeit strikt getrennt. Das hat sich seit ein paar Monaten geändert. Jetzt ist es mir nicht mehr egal, wenn meine Kollegen gestresst sind. Jetzt will ich arbeiten, um sie zu entlasten. Und zugleich ist ein Opiumkrieg der Komplimente auf mich eingebrochen. Ich bin süchtig nach der Anerkennung, die an jeder Ecke auf mich wartet, weil - wie gesagt - ich bin maßlos überqualifiziert. Verfallt nicht der Illusion, da würde eine Beförderung auf mich warten. Oder eine echte Anerkennung im Sinne von monetärer Anerkennung. Und so haben sie mich abhängig gemacht von den Brotkrumen an Lob, die sie mir hinwerfen. Fuck, bin ich frustiert von diesem Bullshit-Job. 

Ich will diesen Job ja nicht einmal. Ich will diese Karriere nicht. Ich will ein Privatleben. Ich will Autorin sein. Eines Tages will ich Mutter sein. Ich will mich über die Dinge definieren, die ich liebe, nicht die, mit denen ich die meiste Zeit verbringe. Letzten Samstag war einer der schönsten Tage seit langem. Ich war auf dem Flohmarkt mit meiner Schwester und mit meinem besten Freund im Museum. Zwei Verabredungen an einem Tag. Und das Museum hat so gut getan. Es ist seltsam, wie anstrengend und zugleich inspirierend Austellungen sein können. Es ist als würde man daraus eine andere Art Kraft schöpfen. Nur, dass ich von dieser Kraft nichts mehr übrig habe, sobald es Montag 9 Uhr schlägt. 

Es ist, als wäre ich zwei Persönlichkeiten. Meine Arbeitsperon, meine "Innie", die alles dafür tut, dass man sie für klug, fleißig und zuverlässig hält und meine "Outie", die Freiheit und Kreativität über alles stellt. Anders als in Severance kennen sich meine beiden Persönlichkeiten allerdings. Und meine Outie verachtet meine Innie zutiefst. Und meine Innie bewundert meine Outie. Das klingt so ungesund! 

Es muss aufhören, dass ich die beiden Personas so strikt trenne. Ich muss aufhören aus meinem Job ein Game of Thrones zu machen, das ich nicht gewinnen kann. Weil ein Teil von mir nicht einmal spielen will, geschweige denn gewinnen. Ich muss meine Strategie ändern. Ich muss Grenzen setzen, das Minimalprinzip fahren, mich von extra Projekten fern halten, am besten einfach so wenig sagen, wie möglich. Ich muss Leute dazu bringen, mich nicht mehr zu mögen - die Königsdisziplin einer ehemaligen People-Pleaserin. Wenn ich zum ungeliebten Underdog werde, lassen sie mich dann in Ruhe? 

Oder muss ich erstmal einen Entzug machen, von der Sucht nach Anerkennung? Was wäre, wenn ich mit den Aufstiegschancen, den Boni und dem Lob gedanklich abschließe? Die Jagd beende. Wenn ich den Tür "Karriere" schließe. Für immer. Ohne den Spalt offen zu halten, ohne etwas warm halten zu wollen, was mir ständig überkocht. Das würde ich nach Freiheit anfühlen. Nicht wie Versagen. Nur da ist dieses kleine, schwarze, pelzige Angstbällchen in meinem Bauch. Oder ist es Gier? Es schreit auf jeden Fall nach (finanzieller) Sicherheit. 

Arbeiten, um zu leben, nicht leben, um zu arbeiten. Ich darf nicht zulassen, dass die Angst gewinnt. Es braucht nicht viel, um sie zu zerschlagen: Freunde, Liebe, Hobbys. Es sind alltägliche Augenblicke wie, der spontane Kinobesuch mit einer Freundin, der kurze Moment des gemeinsamen Kuschelns mit dem Hund, der mitgebrachte Coffee-To-Go bei dem die Hafermilch nicht extra kostet, die die Angst in Zaum halten. Auf das nächste Woche wieder eine "Outie"-Woche wird! 

11. Januar 2026

Kolumne No. 2

Sein statt werden

Es ist fast, als würden die Girls of Instagram sich selbst wie eine leblose Marke behandeln. Sich selbst re-branden, um in eine Aethetic zu passen. Das spielt definitiv in das Romantisieren des eigenen Lebens ein, aber ist doch ein sehr kurzfristig gedachter Ansatz. Es ist, als würde man immer nur Lebenskonzepte, Vibes oder Snapshots angeboten bekommen, in die seine Persönlichkeit hüllen kann. Aber das macht doch keine Persönlichkeit aus. Eine starke Persönlichkeit kommt nicht von Dingen, die man kaufen kann. 

Allerdings können Dinge zu deiner Persönlichkeit werden. Wie? Über Zeit. Ich trage seit über zehn Jahren die gleiche Handtasche. Wenn man diese Tasche sieht, denkt man an mich. Es ist der Sound meiner Absätze über Holzboden, woran man mich erkennt. Ich habe Freundinnen, an die ich immer denken muss, wenn ich ein bestimmes Parfum rieche. Oftmals ist es sogar die Kombination aus Dingen. Selten fühle ich mich mehr, wie ich selbst, als in dem einen Outfit, das ich seit Jahren besitze. Das ist für mich persönlicher Stil. Nicht der neusten Aethetic hinterzulaufen nur weil man einen Teil seiner Persönlichkeit in ihr sieht oder etwas darin sieht, das man gern sein würde. 

Zeit in die eigene Persönlichkeit zu investieren ist allerdings so viel schwieriger als Geld. Das gilt auch für die eigene Wohnung, nicht nur für den Kleidungsstil oder das Aussehen. Natürlich kann man sich auf Desenio eine Bilderwand zusammenstellen und eine Woche später ist sie da - oder man lässt sich Zeit und hat dann zu jedem Bild eine Geschichte zu erzählen. Ich habe beide Arten von Wänden in meiner Wohnung. Zur Desenio-Wand wurde ich noch nie etwas gefragt, während ich die Geschichten über die langsam entstandene Bilderwand bereits allen meinen Freunden erzählt habe. Sich Zeit lassen, bedeutet allerdings auch in Unfertigkeit zu leben. Leben im Prozess. Das ist nicht so leicht auszuhalten. Aber es lohnt sich. 

Es gibt so viele Videos und Inhalte, in denen einem gezeigt wird, wie man "That Girl" werden kann. Kaufe jene Skincare, verhalte dich so-und-so, mache diese Diät. Wenn du dünn bist, kannst du sein. Bis dahin hast du zu werden. Ein Leben in der Zukunft statt im Hier und Jetzt kann doch kein glückliches Leben sein. 

Was zudem in all diesen Videos niemals besprochen wird, ist der Fokus auf echte Beziehungen, Freundschaften, Bekanntschaften. Oft geht es nur um einen Fokus auf sich selbst. Erst, wenn man sich selbst fertig optimiert hat, darf man in die Gesellschaft als würdiges Wesen eintreten. Das ist überspitzt dargestellt, ich weiß. Im Kern geht es aber doch genau darum. Du musst darauf warten, bis du es verdient hast glücklich zu sein. Ich persönlich bin am glücklichsten, wenn ich nicht einmal die Zeit habe, mir Gedanken um mein Aussehen, meine Außenwahrnehmung und meine Essgewohnheiten zu machen. Ich bin am glücklichsten, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die ich mag. 

Diese Woche war eine richtig schöne Woche, weil ich mehr Tage hatte, an denen ich Freunde getroffen habe, als Abende allein vor einem technischen Gerät. Meine Schwester ist in meine Stadt gezogen, ich hatte Freunde zum Essen da, ich war im Museum und hatte eine fantastische Date Night mit meinem Mann. Mit meiner Hündin Mia bin ich in diverse Schneeabenteuer geraten - inklusive eines Schneesturms in der Mittagspause (Bild anbei). 

Einer meiner Vorsätze ist, mindestens ein soziales Event pro Woche zu haben. Das klingt tief gestapelt, aber ich weiß, dass ich vor allem im November / Dezember letzten Jahres durchaus Wochen hatte, in denen meine Leben aus Arbeit und Couch bestand. Viele meine Freundinnen wohnen nicht in meiner Stadt, weshalb wir zu gemeinsamen Wochenend-Trips übergegangen sind - sehr zu empfehlen. Meine Freundinnen kannten sich bis zu meinem Jungesellinnenabschied nicht einmal. Da wir uns alle aber richtig gut verstanden haben, wollen wir dieses Jahr nochmal ein Wochenende gemeinsam verbringen. Das sind die Momente, die mich glücklich machen. Und dadurch ist das auch einer der Vorsätze, der mir am leichtesten fällt. 

Mit all meinen Vorsätzen gehe ich sorgsam um. Wie letzte Woche angekündigt, habe ich insgeamt in acht Kategorien Vorsätze. Man kann sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren. Und selbst, wenn man sich nur auf eins konzentriert, ist es wichtig, dass man liebevoll mit sich selbst umgeht. Das weiß ich, weil ich damit meistens zu kämpfen habe. In der ersten Januarwoche war ich gar nicht beim Sport, diese Woche habe ich trotz Krankheit 2 mal Sport gemacht. Das ist ein Anfang. War das Ziel höher? Natürlich. Ist 2 mehr als 0. Auch das ist wahr. Ich verfolge eine Youtuberin, die ein Messi-Problem hat (Hoarder's Heart). Sie sagt immer, sie macht alles in Baby-Steps. Und genau diesen Ansatz verwende ich auch für meine Vorsätze. Es geht nicht darum, sein Leben in einer Woche umzukrempeln, sondern das Leben im Prozess zu ertragen, vielleicht irgendwann sogar zu genießen. Auf jeden noch so kleinen Erfolg stolz zu sein. 

Meine aktuelle Strategie ist, alle Vorsätze gleichzeitig zu bearbeiten, aber mich auf gewisse Aspekte zu fokussieren. Mein Ziel für meinen Job ist beispielsweise weniger Workaholic und mehr Unterdog zu werden. Ich habe damit angefangen, nur vormittags ins Büro zu gehen und nachmittags im Home Office zu arbeiten. Zudem versuche ich in Meetings meinem Mund zu halten (gelingt mir noch nicht ganz). 

Mein liebster Vorsatz im Moment ist mich selbst weiterzubilden. Ich fange damit an, alle ungelesen Bücher in meiner Wohnung zu lesen. 40 Seiten pro Tag. Das klappt erstaunlich gut. Ich habe mir dafür eine Tabelle erstellt, mit genauen Lesezielen pro Buch. Dabei will ich vier Bücher parallel lesen. Ein fiktionales Spaß-Buch zur generellen Motivation, einen Klassiker für die Schreibskills, ein Sachbuch, weil AI das, was wir wissen, verwischt und ein Lyrik-Buch für die Gefühle. 

Jeder Vorsatz, der mir am schwer fällt, hat mit dem Aufbau von Routinen zu tun. Was, jetzt, wo ich es aufschreibe, sehr logisch klingt. Routinen bauen sich nicht innerhalb einer Woche auf. Sie brauchen ewig und sind aber innerhalb einer Woche komplett zerstörbar. Regelmäßiges Schreiben, Sport, Morgen- und Abendroutine machen mein Leben so viel besser und dennoch muss ich bei allem so viel Willenskraft aufwenden. Es heißt, es braucht 60 Tage um eine Routine in eine Gewohnheit zu verwandeln. Ich kann im März ja mal ein Update geben, ob das klappt. 

Natürlich ist diese Kolumne auch ein Vorsatz. Sie soll mir helfen, mich an meine Vorsätze zu halten, in dem ich mich hiermit verpflichte. Das bedeutet, ihr hört von mir jetzt wöchentlich. 

(Ich hab's getan, ich hab mich dazu verpflichtet, wöchentlich zu schreiben!) 

4. Januar 2026

Kolumne No. 1

Main-Character-Syndrome

Ist meine Geschichte auserzählt? Ist es soweit, dass ich nicht mehr der Hauptcharakter meines eigenen Lebens sein werde? 

Das neue Jahr hat begonnen. Ich habe mir wie jedes Jahr die üblichen Verdächtigen als Vorsätze gesteckt. Zurück in die Routinen -  ein gesünderes, besseres Ich werden. Und dennoch habe ich das Gefühl, dass es nicht mehr viel zu tun gibt. Ich bin dreißig, verheiratet, habe einen Hund und einen soliden Job. Es gibt kein Drama mehr. Meine Freunde haben die spannenden Geschichten und Entwicklungen. Ich beobachte nur noch. Und ich weiß nicht, ob das etwas Gutes oder Schlechtes ist. 

Ich hatte doch schon Main-Character-Syndrome, bevor es überhaupt ein Wort dafür gab. Wie man nicht der Hauptcharakter seines eigenen Lebens sein soll, übersteigt meinen Horizont. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie das gehen soll. Und es macht mir ehrlich gesagt Angst. 

Meine Youtube-Bubble ist voll von Leuten, die 2026 zu ihrem Jahr machen wollen. Abnehm-Journeys, Declutter-Videos und paradoxerweise Tipps wie man endlich Social Media "quittet". Girl, dein Job ist Social Media - Denkst du wirklich, dass du die richtige Person bist, dafür Tipps zu geben? 
Wer ein Offline-Leben hat, gibt keine Tipps auf Social Media. Man lebt sein Leben im Hier und Jetzt, oder? Würde ich über mich sagen, dass ich ein Offline-Leben führe? Kann man überhaupt noch ein Sozialleben haben, wenn man 100% offline ist?

Letztes Jahr habe ich mich von Social Media großteils verabschiedet. Ich habe nur noch Youtube auf meinen Geräten installiert, weil ich ohne Videos über das Weltall oder Game of Thrones nicht einschlafen kann. Ein Laster, das ich beschlossen habe, nicht aufgeben zu wollen, weil es mich zu glücklich macht und dafür zu wenig schadet. Zum Glück sind YouTube Shorts so ein furchtbarer Ort, dass man dort auch freiwillig keine Zeit verbringen will - außer man ist richtig schlimm verkatert. Youtube selbst ist für mich das, was früher Fernsehen war. Ich schaue meine "Serie" (aka bestimmte Kanäle, deren Videos ich jede Woche sehe) und gucke, was mir sonst so vorgeschlagen wird. Und wir zahlen für Youtube Premium. Sonst wäre wohl auch das ein unerträglicher Ort. 

Mit einem Job in der Werbebranche kann ich sagen: Es ist abzusehen, dass alles, das sich mit dem Internet verbinden lässt, potentiell Werbung ausspielen kann. Der Kühlschrank, jede einzelne App, sogar das kleine Bedienfeld auf der Waschmaschine. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass europäische Gesetzgeber das so einfach zulassen werden, aber technisch ist es bereits jetzt möglich. 
Was ich damit sagen will: Jeder technische Fortschritt ist solange toll, bis er von Werbung ruiniert wird. Google, Blogs, Instagram, Podcasts und irgendwann sicherlich auch ChatGPT. Und Social Media ist diesem Phänomen schon zum Opfer gefallen. Es gibt dort nichts mehr, das sich für mich echt anfühlt. 

Mein Leben ist so viel besser ohne Social Media, ohne digitale Medien generell. Je weniger ich auf Bildschirme schaue, desto glücklicher bin ich. Auch wenn es gerade "trendy" ist, analog zu sein - manchmal haben Trends einen guten Grund. Mir ist bewusst, dass ich mit der Kolumne, die ich hier starte, alles andere als analog unterwegs bin. Da das hier ohnehin niemand liest, zählt das doch aber nicht als Social Media, oder? 

Hier kann ich Carrie Bradshaw spielen kann. Denn ich kann nicht anders, als mein Leben zu romantisieren. Das ist für mich ein viel zu großer Bestandteil von einem glücklichen Leben. Es muss eine Geschichte erzählen und am besten eine gute. Da wären wir dann wieder beim Main-Character-Syndrome. Mir ist durchaus bewusst, dass der Begriff abwertend konnotiert ist. Für mich allerdings nicht. Für mich ist es das beste Mittel gegen Depression. Wenn ich es schaffe meinen Alltag zu romantisieren, ist das wie ein Schutzschild gegen Existenzkrisen. 

Nein, meine Geschichte ist noch nicht auserzählt. Ich brauche nur einen Hebel, der mich in die Verantwortung zieht, meinen Alltag zu romantisieren. Dabei geht es nicht darum, eine große Veränderung herbeizuzaubern, eher die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen, wieder zu sehen. Diese Kolumne soll das für mich werden.

Nächste Woche gehe ich genauer darauf ein, welche Ziele ich mir gesteckt habe und wie ich sie erreichen will. Mein Hauptziel bleibt aber: Romantisiere dein Leben, bis du selbst der Hauptcharakter deiner Geschichte bist. 

Hier eine kleine Vorschau, was euch nächste Woche erwartet:



5. April 2025

 Mein wildes Herz schlägt in deinen Händen.
Meine Hoffnung ist noch nicht gestorben.
Es ist noch nicht alles Gute verdorben.

Wir sind durch das Schicksal verbunden.
Der Druck der Zeit hat uns geschunden.
Ich glaube an ein Für-Immer mit dir.

Halt mein Herz, solange du magst.
Zerquetsch es nicht. Behüte es! 
Es ist alles, was ich zu geben vermag.




Abgeben

 Es wird ein Leben 
mit und ohne UNS geben.
Es gibt nichts zu vergeben.
Ich lass dich frei.
Lass alles los.
Was sein soll,
wird sein.

Ich werde glücklich sein.
Alles wird gut.
Es wird immer alles gut.
Es ist mir alles zu viel.
Gott, ich geb es ab.

Unabsichtlich Belogen

Innerste Wahrheiten scheinen hell. 
So offenkundig, beinahe schon grell. 
Deine Wahrheiten wollten wir nur nie sehen.
Denn sie würden meinen im Wege stehen.

Bist du der Mond und ziehst die Schwermut an?
Ist das der Grund, warum ich nicht fröhlich sein kann? 
Stress und Ungeduld und dann ist das meine Schuld, 
Wenn ich Dich im falschen Moment erwische? 
Du hast den Schlüssel zu Deinen Gefühlen verbogen.
Und mich seitdem unabsichtlich belogen.

Vielleicht gehe ich mit Dir zu hart ins Gericht.
Du konntest noch nie mit Verantwortung umgehen.
Das wollte ich nur einfach nicht sehen,
Weil die Erkenntnis meine ganze Welt verbricht.

Kümmern und Träumen liegen dir beides nicht.
Hey! Kein Ding! 
Meine Träume sind groß genug für uns beide.
Kontrollsucht lässt mich für alles sorgen.
Es fällt nur auf, wenn ich zu Boden gleite.
Du kannst mir deine Hilfe nicht borgen.

Versteh, ich kann dich in diesen Momenten nicht führen.
Ich kann nur immer weiter diesen Schmerz spüren.
Nur in meinen schwachen Momenten bitte ich dich, 
Kümmer' dich! Nimm Rücksicht auf mich! 

Nur einmal wäre ich gern deine Priorität.
Aber ich befürchte, dafür ist es schon zu spät.
Glaub mir, ich würd so gerne bei Dir sein,
Doch mir geht's immer noch besser allein. 

Liebe heißt Vertrauen

 Ich lass jetzt los.
Leg alles in deine Hände.
Liebe heißt Vertrauen.
Lass uns
 Keine neuen Mauern mehr aufbauen.

Du hast das Schloss ausgetauscht.
Jetzt zieht es in Deinem Elfenbeinturm.
Meine Wut ein Loch hineingeschlagen.
Ohne Schlüssel kann ich Dich nicht ertragen.

Du musst Deine Mauern nicht zerstören.
Ich will mich nicht gegen Dich verschwören.
Lass mich rein, nur für einen Augenblick.
Vertrau mir! Das war mein letzter Trick!

Hast Du den Schlüssel zu Dir selbst verloren? 
Dann bin ich still und lass Dir Deinen Frieden.
Ich gebe Dir keine Macht. Ich gebe Dir Zeit.
Ich verspreche, Dir blind zu vertrauen. 
Du wirst das Richtige für uns entscheiden.
Und ich kann Dir nur dabei zuschauen.

Vergib mir, ich will nicht mehr so leiden.
Ich mach mich schon mal für das Ende bereit.