22. Januar 2018

#4 Pansy Parkinson - Eine Fan-Fiktion


Graues Erwachen



Der erste Hogsmead-Ausflug stand bevor. Das Wetter war genauso
seltsam neblig, wie es schon den ganzen Sommer über gewesen war.
Draco war in den letzten Tagen sehr schlecht gelaunt. Er hatte seinen
Sinn für schwarzen Humor wohl verschluckt und auch sonst war er
ungewöhnlich schweigsam und noch leichter reizbar, als sonst. Pansy
hatte sich noch nicht getraut, ihn darauf anzusprechen oder darauf, warum
er immer distanzierter zu ihr wirkte. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass er
keine Lust mehr auf Zärtlichkeiten mit ihr hatte. Weshalb Pansy hoffte, ihn in
Hogsmeade aufheitern zu können.
„Was wollen wir später in Hogsmead anstellen?“, fragte Goyle.
„Wir könnten die Drittklässler mit der heulenden Hütte erschrecken.“, schlug
Pansy vor. „Erde an Draco! Hörst du uns überhaupt zu?“, fragte Pansy als
Draco auf ihren Vorschlag nicht einmal reagierte.


„Was? Ach, ich werde nicht mitkommen. Ich hab wichtigeres zu tun.
Crabbe, Goyle, ihr bleibt mit mir hier.“, sagte Draco monoton.
„Und was ist mit mir? Soll ich etwa alleine gehen?“, fragte Pansy bestürzt,
wobei ihr die Kontrolle über ihre Stimme entglitt. Das war doch nicht
Dracos Ernst. „Kannst du jetzt gar nichts mehr ohne mich machen oder
was?“, herrschte Draco sie an. Vor ein paar Wochen waren sie noch
unzertrennlich gewesen und jetzt wollte er nicht einmal mehr das bisschen
freie Zeit, das sie hatten, mit ihr verbringen. Wortlos ließ sie Draco stehen.
Pansy brauchte einen Moment für sich. So ging sie nicht zum
Gemeinschaftsraum, sondern zu der Toilette, die sicher verlassen sein
würde. Es musste einen Grund für Dracos Verhalten geben. Es musste
etwas geben, das er ihr nicht anvertraute. Etwas, oder jemanden. Bei
diesem Gedanken wurde Pansy übel. Gab es eine andere in Dracos
Leben? Wussten Crabbe und Goyle Bescheid? Aus diese loyalen
Bastarden würde sie nur mit Veritasserum ein Wort herausbekommen, das
war Pansy klar.
Draco war in letzter Zeit oft spurlos verschwunden. Traf er sich in dieser Zeit
mit einer anderen? Würde er sich heute wieder mit ihr treffen?
Sie hatte die Toilette der Maulenten Myrte fast erreicht, doch bei diesem
Gedanken begann sie zu rennen. Dort angekommen, schloss sie sich in
der Kabine ein und fing hemmungslos an zu weinen.
Sie war Draco nicht gut genug. Er hatte sich eine andere gesucht. Deshalb
war er so abweisend zu ihr. Deshalb waren ihre zärtlichen Momente in
letzter Zeit so selten geworden. Tat der Dinge mit ihr, die er mit Pansy nie
tun würde? Würde er es heute wieder mit ihr tun?
Wenn Pansy ihm heute folgen würde, könnte sie ihn auf frischer Tat
ertappen und zur Rede stellen. Eine kleine hoffnungsvolle Stimme in ihr
fügte leise hinzu: Oder seine Unschuld beweisen.
Pansy wischte sich unsanft ihre Tränen mit dem Ärmel ihre Robe ab und
ging zurück nach unten in den Gemeinschaftsraum.
Auf dem Weg dahin kam ihr Draco entgegen. „Wir sehen uns heute Abend,
wenn ich aus Hogsmead zurück bin.“, sagte Pansy betont unschuldig.
Draco nickte ihr zu und ging auf zwei Mädchen, vielleicht aus der vierten
oder fünften Klasse, zu. Zwei. Pansy wurde zum zweiten mal an diesem
Tag übel. Sie hatte diese Mädchen noch nie bewusst wahrgenommen und
sonderlich hübsch waren sie auch nicht. Pansy tat als würde sie zurück in
den Gemeinschaftsraum gehen, doch blieb mit großem Abstand hinter den
dreien und versteckte sie ab und zu hinter Statuen. Wohin wollten sie
denn? Vom Kerker ging es immer höher, bis die den siebten Stock erreicht
hatten. Da viel es Pansy wie Schuppen von den Augen. Der verdammte
Raum der Wünsche, den die DA letzter Jahr entdeckt hatte. Natürlich war
man darin ungestört und er verwandelte sich in alles, was man brauchte.
Pansy sah es bildlich vor sich. Draco mit diesen zwei Mädchen in einem
großen Himmelbett. Bei diesem Gedanken wurde ihr erneut übel.
Konnte sie damit leben, dass der einzige Junge, den sie je wollte, sie
betrog. Draco war noch jung und wollte sich vielleicht erstmal austoben,
bevor er sich fest binden wollte. Mit Pansy hätte Draco alles machen
können, was er begehrte. Doch er wollte wohl gleich zwei Mädchen.
Sie musste ihn zur Rede stellen. Sie musste die demütigende Wahrheit,
dass sie ihm gefolgt war, ja nicht erwähnen. So ging sie zurück und
wartete im Gemeinschaftsraum auf ihn.
Stunden vergingen und keine Spur von Draco. Pansys Gedanken machten
sie verrückt. Wie ein Tiger im Käfig lief sie auf und ab. Sie war abgesehen
von ein paar Erst- und Zweitklässlern die einzige im Gemeinschaftsraum.
Da ging nach einer gefühlten Ewigkeit endlich die Tür auf und Draco kam
mit Crabbe und Goyle herein.
„Wir müssen reden.“, sagte Pansy düster.

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